Wild Horse Annie

Dieser bewundernswerten Frau ist es zu verdanken, dass der Mustang heute noch unangetastet in den Weiten Amerikas leben kann. Sie hat über viele Jahre dafür gekämpft, dass der Mustang unter staatlichen Schutz gestellt wird. www.youtube.com/watch

Velma B. Johnstons Geschichte beginnt mit ihrer Geburt am 5. März 1912 in Reno, Nevada. Sie wuchs auf der Ranch ihrer Eltern als Älteste von vier Geschwistern auf. Es gab im Jahr 1950 einen Tag in ihrem Leben, der alles für sie änderte. Neben der Ranch, die sie von ihren Eltern übernommen hatte und führte, arbeitete Velma zusätzlich als Sekretärin. Sie war gerade auf dem Weg zur Arbeit, als ein Truck, voll beladen mit Pferden, vor ihr auf die Straße bog. Erschrocken stellte sie fest, dass daraus Blut sickerte und so folgte sie dem Truck zu einem Schlachthof. Hier erfuhr sie, dass es sich bei den Tieren um wilde Mustangs handelte und sie beschloss etwas gegen diesen grausamen Umgang mit ihnen zu unternehmen.

Velma, bald von allen nur noch Wild Horse Annie genannt, hatte einen harten Kampf zu führen. Die Mustangs wurden von den sogenannten Mustangers, um Zeit zu sparen, auf brutale Weise eingefangen. Man trieb die Tiere mit Flugzeugen in einem halsbrecherischen Tempo in karge Landgebiete, wo die erschöpften und verletzen Tiere von Trucks aus mit Seilen eingefangen wurden. An das andere Ende des Seils wurden schwere Traktorreifen gebunden, so dass die Mustangs kurz darauf erschöpft zu Boden gingen und auf die Trucks geladen werden konnten. Grund für die gnadenlose Jagd der Mustangers war die hohe Nachfrage nach Pferdefleisch für die Tierfutterindustrie. So stand Annie großen Unternehmen der Tierfutterindustrie und Hunderten von Ranchern, die ihr privates Land vor grasenden Mustangs schützen wollten, gegenüber. Scheinbar unbesiegbare Gegner.

Doch Annie sorgte mit ihrer Briefkampagne dafür, dass die Öffentlichkeit auf das Thema und den grausamen Umgang mit dem wertvollen Erbe des Landes, dem Mustang, aufmerksam wurde. Tausende von Briefen, vorrangig von Schülern, wurden an die Regierung geschrieben und Menschen auf der ganzen Welt boten Annie ihre Hilfe an. Der Abgeordnete Baring sorgte kurz darauf dafür, dass 1959 ein Gesetzesentwurf durchgesetzt wurde, welcher es verbot, Mustangs mit jeglichen motorisierten Fahrzeugen und Flugzeugen zu jagen. Dieses Gesetz wird heute als Wild Horse Annie Gesetz bezeichnet.

Dieses Gesetz reichte Annie jedoch nicht, denn es beinhaltete nicht ihre Forderung nach einem Programm, welches die Mustangs langfristig schützt, verwaltet und die Population der Tiere kontrolliert. Das öffentliche Interesse und die Besorgnis stiegen weiter an und nachdem die Anzahl der Mustangs durch die grausame Jagd so stark zurückgegangen war, realisierte man, dass ein staatlicher Schutz unerlässlich war.

So wurde 1971 das Gesetz WILD FREE-ROAMING HORSES AND BURROS ACT OF 1971 erlassen, welches die Mustangs unter den Schutz der Regierung stellt und dafür sorgt, dass die Mustangs und das öffentliche Land durch das BLM (Bureau of Land Management) verwaltet werden.

Annie gelangen ihre Erfolge nicht zuletzt, weil sie mit Intellekt an die Sache heranging. So wusste sie, dass sie als Frau nicht mit Emotionen, sondern mit klaren Argumenten und Fakten überzeugen musste. Mit ihrer Stärke, Durchsetzungskraft und charismatischen Art konnte sie nahezu jeden für sich und ihr Ziel gewinnen.

Ohne das Engagement von Wild Horse Annie könnte es also sein, dass es heute keine Mustangs mehr gäbe. Ihrer besonderes starken Persönlichkeit und der Unterstützung vieler tausender Menschen ist es zu verdanken, dass das Symbol von Freiheit und das Erbe des Westens noch heute in den Weiten Amerikas grast.

Annie starb im Juni 1977 an Lungenkrebs.

 

 

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